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Erneutes Amselsterben durch Usutu-Virus in NRW

Inhaltsverzeichnis

Im Moment hört man öfters, dass die Gärten leerer sind und/ oder dass tote Amsel aufgefunden wurden. Der Grund für das Sterben oder Wegbleiben der Amseln könnte das Usutu-Virus sein, welches bereits in vergangenen Jahren für ein grosses Amselsterben gesorgt hat,
Solltet Ihr bei Euch im Garten oder in der Umgebung tote Amseln auffinden (welche keine deutlich von einem Fressfeind verursachten Wunden aufweisen), könnt Ihr den Fund melden, sodass das Phänomen weiter untersucht werden kann.
Mehr Infos & der Link zum Melden unter https://nrw.nabu.de/tiere-und-pf…/…/helfen/amselsterben.html

0.)

Verbreitung in Europa

Erstes Auftreten in Österreich

Seit dem Jahr 2001 sind in Österreich mehrfach Wildvögel durch das Virus gestorben („Amselsterben“). 2003 wurden die Todesfälle bei Amseln sowie vereinzelt für Bartkäuze, Blaumeisen, Haussperlinge, Kohlmeisen, Singdrosseln und Kleiber in Wien und den niederösterreichischen Bezirken Wien Umgebung, Mödling, Baden, Wiener Neustadt, Neunkirchen, Bruck/Leitha, Gänserndorf, Mistelbach, Korneuburg und Tulln sicher nachgewiesen.[4]

Ungarn, Schweiz und Italien

Ab 2005 bzw. 2006 sind auch in Ungarn, der Schweiz und Italien Wildvögel durch das Virus gestorben.

Retrospektive Untersuchungen zeigten, dass bereits 1996 ein Vogelsterben in der Toscana auf eine Infektion mit dem Usutu-Virus zurückzuführen war.[5]

Deutschland

Im September 2011 wurde es in einer toten Amsel aus Birkenau in Hessen durch Mitarbeiter des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg nachgewiesen.[6][7] Wenige Tage danach ist das Virus bei vier Amseln in Mannheim sowie in Dossenheim in Baden-Württemberg durch das Friedrich-Loeffler-Institut entdeckt worden.[8] Neusten Erkenntnissen zufolge gelangten infizierte exotische Stechmücken mit Warentransporten nach Deutschland. Das Usutu-Virus ist jedoch nicht ausschließlich auf exotische Moskitos als Wirt angewiesen, sondern wird ebenso von einheimischen Stechmückenarten übertragen. Auch die Eier und Larven der Mücken beherbergen das Virus. Vögel und andere Tiere werden von den infizierten Stechmücken gestochen, das Virus wird übertragen, und sie reichen bei einem neuerlichen Stich das Virus auf die nächste Stechmücke weiter.

Im Juli 2012 wurde eine infizierte Amsel in der nordrhein-westfälischen Stadt Siegen gefunden, was eine frühere Annahme, das Virus verbreite sich nur in Flusstälern, entkräftet. Der Ausbruch des Virus könne auch andere Bundesländer erfassen.[9]

NABU ruft Bevölkerung zur Mithilfe auf

Im Sommer 2011 und 2012 trat das durch das Usutu-Virus verursachte Amselsterben erstmalig in Deutschland auf. Auch NRW war davon betroffen. Nun fallen Amseln einem erneuten Ausbruch der Infektion zum Opfer. So können Sie uns helfen, die Krankheit zu verstehen:

Amselweibchen - Foto: G. Reinartz Amselweibchen – Foto: G. Reinartz

23.09.2016 Im Sommer 2011 und 2012 trat das tropische Usutu-Virus, das durch Stechmücken auf Vögel übertragen wird, erstmalig in Deutschland auf. Dies machte sich durch ein regional massives Amselsterben bemerkbar, das sich im Wesentlichen auf die wintermilden Regionen entlang des Rheins und der Unterläufe von Neckar und Main beschränkte. Auch Nordrhein-Westfalen war davon betroffen. Nach längerer Pause scheinen Amseln in NRW nun einem erneuten Ausbruch der Infektion zum Opfer zu fallen. In den letzten Wochen gingen vermehrt entsprechende Meldungen totgefundener Amseln beim NABU NRW ein.

Die meisten Meldungen kranker und toter Amseln stammen aus den bereits zuvor betroffenen wärmebegünstigten Regionen Deutschlands entlang des gesamten Rheintals. In NRW besonders betroffen scheint der Kreis Kleve. Weitere Verdachtsmeldungen erreichten den NABU aber auch aus bisher nicht betroffenen Regionen, in NRW z.B. aus dem Kreis Minden-Lübbecke. Inzwischen konnten Forscher des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg für einige der deutschlandweit gemeldeten Fälle bestätigen, dass das Usutu-Virus tatsächlich die Todesursache ist. Auch in Frankreich, Belgien und den östlichen Niederlanden wurde das Virus in diesem Jahr bereits in toten Vögeln nachgewiesen.

Der NABU ruft deshalb wieder dazu auf, offensichtlich erkrankte oder tote Tiere zu melden:

 

Eine kranke oder tote Amsel gefunden? Bitte hier melden!

Bitte machen Sie bei Ihrer Meldung möglichst genaue Angaben zu Fundort, Funddatum und den näheren Fundumständen und zu den Symptomen der Vögel. Der NABU sammelt alle Daten, wertet sie aus und stellt sie Wissenschaftlern zur Verfügung.

Zudem wird die Bevölkerung gebeten, Totfunde dem Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg zur Untersuchung zur Verfügung zu stellen. Dabei sollte die Meldung kranker oder toter Tiere möglichst mit genauen Angaben zu Fundort, Funddatum und den näheren Umständen des Fundes erfolgen. Tote Vögel sollten baldmöglichst eingesammelt und frischtot eingeschickt werden. Dabei sollten folgende Punkte berücksichtigt werden:

    • Obwohl nach aktuellem Wissenstand keine Infektionsgefahr von den Vögeln ausgeht, wird zum Hantieren mit toten Vögeln das Verwenden von Handschuhen oder einer umgestülpten Plastiktüte sowie eine anschließende Händereinigung empfohlen.

 

    • Idealerweise sollten die Vögel mit einem Tiefkühlakku versehen und gut gepolstert versendet werden. In den Sommermonaten ist eine Isolation mit Styropor sinnvoll. Es empfiehlt sich besonders vor Wochenenden die Einsendung vorab mit dem BNI oder den Untersuchungsämtern telefonisch abzustimmen.

 

      Und hierhin können die toten Tiere geschickt werden:

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI), Dr. Jonas Schmidt-Chanasit
Bernhard-Nocht-Straße 74, 20359 Hamburg, Tel. 040-42818-959, Fax 040-42818-941

      In der Regel nehmen zudem die Untersuchungsämter aller Bundesländer die Tiere an und leiten diese weiter. Privatpersonen können den Amtstierarzt des Kreises aufsuchen, der üblicherweise die toten Vögel über die Amtsstelle an das jeweilige Untersuchungsamt leitet.

 

      Der weitere Verlauf des Auftretens von Usutu-Erkrankungen lässt sich schwer vorhersagen. Die Vermehrung und Verbreitung der Viren hängt vor allem von der Witterung in den Sommermonaten ab: je wärmer der Sommer umso mehr Viren, Stechmücken und infizierte Vögel sind zu erwarten. Andererseits geht man davon aus, dass die Vögel zunehmend individuell erworbene Resistenzen gegen dieses neue Virus entwickeln, so dass sich das Virus vermutlich räumlich weiter ausbreiten, aber nicht mehr zu so offensichtlichen Massensterben wie im Jahr 2011 führen wird. Stattdessen ist zu erwarten, dass es in den betroffenen Gebieten zu zyklisch wiederholten Ausbrüchen kommen wird, sobald eine Generation von Amseln mit erworbener Resistenz von der nächsten Amselgeneration abgelöst wird.

 

      Für Rückfragen:

 

      Birgit Königs, Pressestelle NABU NRW, Tel. 0211-15 92 51-14

 

    Lars Lachmann, NABU-Referent für Ornithologie und Vogelschutz, Tel. 030 28 49 84-16 20, mobil 0172 9108 275

 

https://nrw.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/helfen/amselsterben.html

 

2.)

Helfen Sie unseren Amseln!

Was jeder und jede Einzelne für die Tiere tun kann

Die Amselpopulationen in Süddeutschland wurden durch das Auftreten des Usutu-Virus stark dezimiert. Viele Menschen fragen sich nun, wie man unseren Amseln helfen und ihre regional stark dezimierten Bestände unterstützen kann. Wir geben Tipps und Hinweise.

Amselmännchen Die Amseln sind durch das Wüten des Usutu-Virus mancherorts verschwunden. – Foto: Frank Derer

30. September 2011 – Gegen die Usutu-Viren stehen momentan keine gezielten Maßnahmen zur Verfügung. Tropische Viren sind eine neue Gefährdungsursache für heimische Vogelarten. Nach dem Erstkontakt erkranken und sterben viele Vögel. In wenigen Jahren kann sich jedoch eine Immunität gegen die Viren ausbilden und die Bestände erholen sich wieder. Bei allen Vogelarten spielt die Lebensraumqualität die entscheidende Rolle: Nur wo die betreffende Art gut leben kann, kann sie sich in stabilen Beständen halten. Im Hinblick auf eine wünschens- und erstrebenswerte Erholung der Amselbestände gilt es, den Amseln optimale Rahmenbedingungen für die Zukunft zu schaffen.

Amseln waren früher scheue Waldbewohner, die sich aber im 20. Jahrhundert zunehmend auch in der Kulturlandschaft und in Siedlungen erfolgreich etabliert haben. So schaffte es die Amsel, eine der häufigsten Vogelarten Europas zu werden. Allein in Deutschland schätzt man acht bis 16 Millionen Brutpaare. Als mittlerweile klassischer Garten- und Stadtvogel bieten sich einige Möglichkeiten, den Amseln gute Startbedingungen für eine Bestandserholung zu schaffen.

 

Tipps für den eigenen Garten:

  • Naturnah gestaltete Gärten, Park- und Grünanlagen bieten Amseln ideale Lebensräume in unseren Siedlungen und geben ihnen die Möglichkeit, Regenwürmer zu erbeuten.
  • Artenreiche Hecken und Gebüsche sind wichtige Lebensraumelemente, in denen Amseln Schutz und Deckung sowie Nistmöglichkeiten finden. Amseln sind als Freibrüter auf Sträucher angewiesen, Nistkästen helfen ihnen nicht. Gelegentlich nutzen Amseln Nischen am Dachtrauf, in Carports, auf Holzbeigen etc.
  • Beerentragende Sträucher wie Holunder, Schlehe oder Liguster sind ergiebige Nahrungsquellen, an denen die Vögel Energie auftanken.
  • Grundsätzlich sollte in Gärten und öffentlichen Grünanlagen, aber auch in Obstkulturen auf Biozide verzichtet werden.
  • Eine Vogeltränke oder Flachwasserzone am Gartenteich sind für Amseln wertvolle Trink- und Badestellen. Bei entsprechendem Angebot an Beeren, Regenwürmern und Fallobst benötigen Amseln keine Zufütterung.
  • Lassen Sie Herbstlaub unter den Sträuchern liegen, dann rascheln dort den ganzen Winter über nahrungssuchende Amseln.
  • Neben Tropenviren gibt es in unserer heutigen Welt weitere, oft unterschätzte Alltagsgefahren für Amseln: Glasflächen, gegen die jährlich hunderttausende Vögel prallen, Straßenverkehr oder Beutegreifer wie die millionenfach vertretenen Hauskatzen. Glasflächen lassen sich inzwischen wirksam als Vogelfalle entschärfen und gegen Hauskatzen-Zugriffe stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung (Abwehrgürtel um Baumstämme, Drahtgeflechte um Nestbereiche, bei Katzen unbeliebte Pflanzen, Ultraschall etc.).
  • Selbstverständlich sollten Amseln am Nistplatz nicht gestört werden.
  • Die Tropenviren werden durch Stechmücken auf Vögel übertragen. Man kann die Stechmückenzahl reduzieren, indem man im Garten „stehendes“ Wasser vermeidet, in dem sich die Mückenlarven entwickeln können: Regensammelgefäße abdecken, eine Wasserumwälzpumpe betreiben, keine kleinen Wasseransammlungen in Blumenuntersetztern, Gullys, Regenrinnen oder anderen Gefäßen dulden.

 

3.)

Usutu-Virus tötet 300.000 Amseln

Starke regionale Verluste gefährden den Gesamtbestand nicht

Die Auswertung der NABU-Vogelzählaktionen zeigen es: Dem Usutu-Virus sind rund 300.000 Amseln zum Opfer gefallen. Das bedeutet zwar ein hohes Risiko für Amseln in betroffenden Gebieten, aber eine Gefährdung für den bundesweiten Amselbestand ist es nicht.

Amsel - Foto: NABU/Tom Dove Amsel – Foto: NABU/Tom Dove

07. September 2012 – Vogelexperten des NABU haben erstmals berechnet, wie sich das Usutu-Virus in Deutschland auf den Amselbestand ausgewirkt hat. Zu diesem Zweck wurden Daten seit dem Jahr 2006 aus Deutschlands größten Vogelzählaktionen „Stunde der Gartenvögel“ und „Stunde der Wintervögel“ ausgewertet. Danach fielen dem Virus im vergangenen Jahr rund 300.000 Amseln zum Opfer. „Die Zahlen zeigen, dass das Risiko für Amseln in bestimmten Regionen groß, aber bundesweit nicht bestandsgefährdend ist“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Bei den NABU-Vogelzählaktionen, die jährlich im Januar und Mai stattfinden, gehen jeweils Vogelerfassungen aus mehr als 30.000 Gärten und Parks ein.

 

Noch ist unklar, wie sich das Vogelsterben und die Amselbestände in Zukunft entwickeln werden. Allerdings belegen die NABU-Daten erstmalig den negativen Einfluss des Virus auf regionale Amselpopulationen. Das Ausbruchsgebiet hat sich im Sommer 2012 leicht ausgebreitet und umfasst nun die Rheinebene von Freiburg im Breisgau bis Köln und das Maintal aufwärts bis Frankfurt am Main und Hanau. „Die Ausbreitung des Virus sollte allerdings kein Grund zur Panik sein. Wir können davon auszugehen, dass die Amseln zunehmend resistent gegen den Erreger werden. In den befallenen Regionen sollten ähnliche Massensterben von Jahr zu Jahr weniger extrem ausfallen“, so NABU-Vogelexperte Lars Lachmann.

 

Amsel - Foto: Frank Derer Amsel – Foto: Frank Derer

Erstmals ausgebrochen war das tropische Virus im Sommer 2011 am nördlichen Oberrhein im Grenzgebiet von Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Hier hatte es zu einem regelrechten Massensterben geführt. Nach Berechnungen des NABU ist in den 21 betroffenen Landkreisen der Amselbestand innerhalb eines Jahres um rund ein Drittel im Vergleich zum Mittel der Vorjahre gesunken. In den Landkreisen, in denen das Virus nicht nachgewiesen wurde, ging der Bestand lediglich um zwölf Prozent zurück. Daraus ergibt sich die Zahl der insgesamt 300.000 am Virus verendeten Amseln.

Ähnlich stellt sich die Situation bei der Winterpopulation im Januar dar: Hier war der Rückgang der Amseln in den vom Usutu-Virus befallenen Landkreisen um 15 Prozent stärker als im Rest Deutschlands. Während das Virus nach Augenzeugenberichten in manchen Gegenden zwischenzeitlich zum völligen Verschwinden von Amseln geführt hat, ist dies auf Landkreisebene bislang nicht der Fall. Um die weitere Entwicklung des Virus zu beobachten und zu bewerten, ruft der NABU dazu auf, möglicherweise am Usutu-Virus erkrankte oder gestorbene Amseln zu melden. Melden Sie hier Beobachtungen zu toten Amseln

Frisch tote verdächtige Vögel können zudem zur Untersuchung an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) geschickt werden.

 

Überträger: Nördliche Hausmücke

Das Usutu-Virus stammt ursprünglich aus Südafrika und trat 2011 zum ersten Mal in Deutschland auf. Infizierte Vögel wirken apathisch und unkoordiniert und weisen häufig auch kahle Stellen im Kopf- und Halsgefieder auf. Das Virus wird von der heimischen Nördlichen Hausmücke übertragen, wie Experten der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg und dem Bernhard-Nocht-Institut nachweisen konnten. Das Virus überwintert in den Mückenweibchen und wird nur direkt von ihnen übertragen. Es kann weder von Vogel zu Vogel noch vom Vogel zum Menschen übertragen werden. Obwohl auch andere Vogelarten mit dem Usutu-Virus infiziert werden, ist es bislang unklar, warum ihm hauptsächlich Amseln zum Opfer fallen.

Amseln sind mit 13 Prozent die am weitesten verbreitete Vogelart in Deutschland. Nach Schätzungen leben etwa acht bis 16 Millionen Brutpaare in Deutschland, nach der Brutzeit im Sommer etwa 50 bis 60 Millionen Individuen.

4.)

Das Usutu-Virus: eine tödliche Gefahr für Amseln

Helfen Sie uns, die Auswirkungen zu erforschen!

2011 und 2012 gab es in Deutschland das erste durch das Usutu-Virus ausgelöste Massensterben unter Vögeln, vor allem Amseln. Nach einigen Jahren ohne größere Ausbrüche, tritt das Virus 2016 wieder vermehrt auf. NABU und Virenforscher sind der Krankheit auf der Spur.

Amsel - Foto: Frank Derer Amsel – Foto: Frank Derer

2010 wurde das tropische Usutu-Virus, das durch Stechmücken auf Vögel übertragen wird, erstmalig in Deutschland festgestellt. Im folgenden Sommer löste es ein regional massives Amselsterben aus, das auch 2012 noch anhielt.

Betroffen war zunächst vor allem die Region des nördlichen Oberrheingrabens, bis Ende 2012 hatte sich die Epidemie in den wärmebegünstigten Regionen Deutschlands entlang des gesamten Rheintals sowie am Untermain und am unteren Neckar ausgebreitet. Durch das Virus verursachte Todesfälle unter Vögeln treten jeweils während der Mückensaison von Mai bis November auf.

Befallene Vögel wirken offensichtlich krank, werden apathisch und flüchten nicht mehr und sterben meist innerhalb weniger Tage. Fast immer sind es Amseln, bei denen diese Krankheit festgestellt wird, weshalb die Usutu-Epidemie auch als „Amselsterben“ bekannt wurde. Allerdings werden auch andere Vogelarten von diesem Virus befallen und können auch daran sterben. Das Überwiegen der Amseln lässt sich zum Teil durch deren Häufigkeit und Nähe zum Menschen erklären, aber eine besondere Empfindlichkeit dieser Art gegenüber dem Virus ist ebenfalls möglich.

In den Jahren 2013 bis 2015 konnte kein größerer Ausbruch einer Usutu-Epidemie in Deutschland festgestellt werden, doch 2016 werden wieder viele Fälle gemeldet.

Der Ausbruch dieses für Deutschland neuen Virus stellt eine einmalige Chance dar, die Ausbreitung und Folgen einer neuen Vogelkrankheit zu verfolgen und zu analysieren. Der NABU arbeitet daher mit Wissenschaftlern des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg daran, die Ausbreitung des Virus und seine Auswirkungen auf unsere Vogelwelt zu dokumentieren und zu verstehen, um diese neuartige Gefährdungsursache von Vogelarten auch im Vergleich mit anderen Gefährdungsursachen beurteilen zu können.

Die wichtigste Datengrundlage dazu bilden Meldungen toter und kranker Amseln aus der Bevölkerung, sowie eingeschickte Proben toter Vögel, die auf das Virus untersucht werden können. Daher fordert der NABU dazu auf, tote oder kranke Amseln über ein Online-Formular zu melden:

 

Eine kranke oder tote Amsel gefunden? Bitte hier melden!

Bitte machen Sie bei Ihrer Meldung möglichst genaue Angaben zu Fundort, Funddatum und den näheren Fundumständen und zu den Symptomen der Vögel. Der NABU sammelt alle Daten, wertet sie aus und stellt sie Wissenschaftlern zur Verfügung.

Gleichzeitig ruft der NABU dazu auf, totgefundene Amseln, die vermutlich einer Krankheit zum Opfer gefallen sind, unverzüglich zur Untersuchung einzusenden. Eine Anleitung für das Versenden der Proben findet sich hier.

Mit Hilfe dieser Internet-Meldeaktion und unter Mitarbeit vieler Vogelfreunde konnte der NABU den Verlauf des Ausbruchs 2011 gut dokumentieren und auswerten.

Die Auswertung der Daten aus den großen NABU-Mitmachaktionen „Stunde der Wintervögel“ und „Stunde der Gartenvögel“ wies nach, dass die Amselbestände in den damals nachweislich vom Virus betroffenen 21 Landkreisen zwischen 2011 und 2012 merklich zurückgegangen sind und somit bei einem bundesweiten Gesamtbestand von acht Millionen Brutpaaren 300.000 Amseln dem Virus zum Opfer gefallen sein könnten.

Lokal konnte in einigen Gebieten sogar das fast vollständige Verschwinden von Amseln festgestellt werden. In den folgenden Jahren konnten Amseln die entstandenen Lücken jedoch recht schnell wieder besiedeln und bleibende Auswirkungen auf überregionale Bestände der Amsel konnten bisher nicht bestätigt werden. Unklar ist aber, ob sich lokale Bestände bis zum nächsten Ausbruch der Krankheit jeweils wieder vollständig erholen konnten.

Der weitere Verlauf des Auftretens von Usutu-Erkrankungen lässt sich schwer vorhersagen. Die Vermehrung und Verbreitung der Viren hängt vor allem von der Witterung in den Sommermonaten ab: je wärmer der Sommer umso mehr Viren, Stechmücken und infizierte Vögel sind zu erwarten. Andererseits geht man davon aus, dass die Vögel zunehmend individuell erworbene Resistenzen gegen dieses neue Virus entwickeln, so dass sich das Virus vermutlich räumlich weiter ausbreiten, aber nicht mehr zu so offensichtlichen Massensterben wie im Jahr 2011 führen wird. Stattdessen ist zu erwarten, dass es in den betroffenen Gebieten zu zyklisch wiederholten Ausbrüchen kommen wird, sobald eine Generation von Amseln mit erworbener Resistenz von der nächsten Amselgeneration abgelöst wird.

 

Amsel - Foto: Frank Derer

Fakten zum Usutu-Erreger

Das Usutu-Virus (USUV) gehört zur Japanischen-Enzephalitis-Virus-Gruppe innerhalb der Familie Flaviviridae und wurde das erste Mal 1959 aus Stechmücken der Art Culex neavei isoliert, die im Ndumo-Nationalpark in Südafrika gefangen wurden. Wildvögel sind der natürliche Wirt für das USUV und Zugvögel können eine Schlüsselrolle bezüglich der Ausbreitung des Virus über große Distanzen hinweg spielen.

Außerhalb von Afrika trat das USUV erstmals 2001 in und um Wien auf. Im Sommer 2009 kam es in Italien erstmals zu Krankheitsfällen beim Menschen: Zwei immungeschwächte Patienten erkrankten an einer Hirnhautentzündung, die auf eine USUV-Infektion zurückzuführen war. 2010 identifizierte die Gruppe um Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg (BNI), das USUV in Stechmücken der Art Culex pipiens, die in Weinheim im Oberrheintal gefangen wurden.

Im Juni 2011 mehrten sich Meldungen über Funde toter Vögel und nahezu „amselfreie“ Gebiete in der nördlichen Oberrheinebene. Aufgrund der Identifizierung von USUV in deutschen Stechmücken ein Jahr zuvor, wurden tote Vögel eingesammelt, um sie im BNI auf das neue Virus untersuchen zu lassen. Das Ergebnis: 223 Vögel aus 19 Arten wurden getestet, davon 86 USUV-positiv, darunter 72 Amseln.

5.)

Der Amselbestand geht merklich zurück

Die Folgen der Usutu-Epidemie 2011

Wie die Auswertungen des NABU ergeben, ist der Amselbestand in Deutschland merklich zurückgegangen. Vorallem in Baden-Württemberg und Hessen ist der Verlust extrem. Dort grassierte 2011 das Usutu-Virus. Ob die Tiere in diesem Jahr bereits immunisiert sind?

Amsel auf Hausdach - Foto: Frank Derer Amsel auf Hausdach – Foto: Frank Derer

25. Januar 2012 – Im Spätsommer 2011 erreichten den NABU Nachrichten besorgter Vogelfreunde, die kaum noch Amseln in ihren Gärten sahen. Zunächst erschien dies nicht weiter alarmierend, da sich Amseln für gewöhnlich im Sommer recht versteckt halten. Schnell wurde aber klar, dass die Lage in diesem Jahr anders war. Am 14. September 2011 bestätigte dann das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg den ersten Fall einer am Usutu-Virus erkrankten Amsel. Mediziner waren den von Stechmücken übertragenen Viren schon länger auf der Spur.

Gleich am nächsten Tag startete daher der NABU eine Aktion, tote oder kranke Amseln zu melden. Von Mitte September bis Mitte November gingen insgesamt Meldungen von 856 tot oder krank aufgefundenen Amseln ein. Der Aufruf endete mit dem Einzug winterlicher Kälte, als kaum noch Stechmücken unterwegs waren, die Vögel infizieren konnten. Die Auswertung erfolgte nach gesicherten, veterinärmedizinisch belegten Fällen, nach Usutu-Verdachtsfällen und nach solchen, die keinerlei Hinweise auf Usutu ergaben, sondern andere Todesursachen nahe legten. Viele Beobachter, die dem Aufruf gefolgt waren, machten sehr genaue Angaben über die Vögel und die Fundumstände. Das war sehr hilfreich und für die Interpretation der Daten oftmals unentbehrlich. Noch wertvollere Dokumente waren Fotos, die eingereicht oder angeboten wurden. Denn zu den Symptomen der Krankheit zählen unter anderem typische Gefiederanomalien an Kopf und Hals.

 

Vor allem Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen betroffen

Auswertung der Amselmeldeaktion zum Usutu-Virus 2011 Auswertung der Amselmeldeaktion zum Usutu-Virus 2011

Die meisten Funde stammten aus dem Dreiländereck zwischen Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen. Dies waren auch bis zuletzt die einzigen Bundesländer mit echten Nachweisen von Usutu-Fällen. Sowohl nach Zahlen als auch prozentual stammten die meisten Usutu-Nachweise aus Rheinland-Pfalz und dort aus den Landkreisen Germersheim, Rhein-Pfalz-Kreis, Südliche Weinstraße und Neustadt a. d. Weinstraße. Hessische Usutu-Nachweise kamen aus den sich nördlich anschließenden Kreisen Bergstraße, Groß-Gerau und Main-Taunus-Kreis. In Baden-Württemberg konzentrierten sich die nachgewiesenen Fälle auf die Rhein-Neckarregion um Heidelberg, Mannheim und Hockenheim. Vom südlichen Oberrhein wurden zwei Nachweise (Freiburg im Breisgau und Ihringen am Kaiserstuhl) verzeichnet.


Mit der Stunde der Wintervögel, die vom 6. bis 8. Januar 2012 stattfand, bot sich eine weitere Möglichkeit, um etwas über die Folgen der Usutu-Epidemie für den Amselbestand heraus zu finden. Bei der Vogelzähl-Aktion wurden tatsächlich deutlich weniger Amseln gezählt als 2011. Bundesweit beträgt der Rückgang nahezu ein Drittel. Die 2012 dünner besiedelten Regionen verteilen sich in einem breiten Band, das von Südwestdeutschland nach Nordosten verläuft. Im Jahresvergleich haben die Amseln am stärksten in Rheinland-Pfalz abgenommen (- 54 Prozent), gefolgt von Hessen (- 43 Prozent) und Baden-Württemberg (- 40 Prozent). In manchen Landkreisen fällt der Rückgang noch erheblich höher aus, so im Rhein-Pfalz-Kreis und im benachbarten Frankenthal (- 75 Prozent), in Worms (- 73 Prozent) und Ludwigshafen (- 65 Prozent ).Traurige Spitzenreiter sind in Hessen der Landkreis Bergstraße (- 65 Prozent) und Groß-Gerau (- 55 Prozent), in Baden-Württemberg der Rhein-Neckar-Kreis (- 66 Prozent) und Heidelberg (- 70 Prozent).

 

Krankheit brach vor Juli aus

Usutu-Amsel Amselmännchen mit Raupen – Foto: Frank Derer

Die Vergleichszahlen der „Stunde der Wintervögel“ lassen aber auch hinsichtlich manch anderer Region in Deutschland aufhorchen und ergänzen das, was unser Aufruf anlässlich des Amselsterbens zeigt: So ergibt sich für den Saalekreis in Sachsen-Anhalt eine um 62 Prozent geringere Zahl an Amseln und im brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming ein Minus von 56 Prozent. Aus Brandenburg wurden zwar keine toten Amseln zur veterinärmedizinischen Untersuchung eingesandt – weshalb es von dort auch keine echten Usutu-Nachweise gibt. Dafür lieferte das eingesandte Foto einer fast kahlköpfigen Amsel aus Deetz an der Havel einen umso wertvolleren und stichhaltigen Verdacht auf eine Usutu-Infektion hunderte Kilometer vom Rhein-Neckar-Raum entfernt. Die Aufnahme entstand schon im Juli 2011. Die Amsel soll sich zu dem Zeitpunkt – trotz dieser typischen Gefiedersymptome – noch völlig normal verhalten haben. Es ist daher anzunehmen, dass sich dieser Vogel noch in einem Anfangsstadium der Krankheit befand.

 

Hat der Amselschwund noch weitere Ursachen?

Der NABU schließt aus diesem und ähnlichen Fällen, die gemeldet wurden, dass möglicherweise schon viele Amseln an Usutu gestorben waren, bevor der erste Nachweis im September 2011 gelang. Auch manche Zuschriften machen deutlich: Den meisten Vogelfreunden wurde das Amselsterben erst bewusst, als fast keine Vögel mehr da waren. Das ist nur allzu verständlich, denn viele unterschiedliche Faktoren beeinflussen die Anwesenheit und Zahl von Vögeln in Gärten und an Futterstellen. Einige sind auf den Lauf der Natur, andere auf äußere Faktoren zurück zu führen. Schwankungen sind im Laufe von Jahren völlig normal und ohne echte Negativtrends noch nicht besorgniserregend.

Auch der aktuelle Rückgang der Amseln wird neben dem neuartigen Virus weitere Ursachen haben. So war das Frühjahr 2011 in vielen Regionen extrem niederschlagsarm. Knochentrockener Boden erschwerte es den Amseln, an Regenwürmer – ihre wichtigste Nahrung zur Jungenaufzucht – heranzukommen. Der Bruterfolg dürfte darunter gelitten haben. Auswirkungen auf die Bestände der Art wären dann unvermeidlich – ob mit oder ohne zusätzliche Verluste durch das Usutu-Virus.

 

Wie wird es weitergehen?

Der NABU und ornithologische Fachverbände wollen, in enger Kooperation mit Veterinärmedizinern, die weitere Entwicklung im Auge behalten. Denn mit Infektionen ist auch noch in den kommenden Jahr zu rechnen. Amseln sind offenbar gegenüber diesen Viren erheblich empfindlicher als andere Vogelarten. Doch auch sie reagieren mit der Zeit durch die Bildung von Antikörpern. In Österreich und anderen Ländern setzte nach einigen Jahren eine weitgehende Immunisierung der Amselpopulation ein. Langfristig konnten sich die Bestände dadurch wieder erholen. Ob es noch zu früh für solch eine positive Entwicklung ist und die Epidemie 2012 zunächst noch weitere Kreise ziehen wird, kann nur durch aufmerksames Beobachten und die Auswertung weiterer Daten beantwortet werden.

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